Es ist der 20.11.2025 und auf den Tag genau ein Jahr her, seit ich den ID.7 in Empfang nehmen konnte. Ich habe in der Vergangenheit schon einige Zeilen zu meinen Erfahrungen mit dem Auto geschrieben. Trotzdem möchte ich diesen Jubiläumstag dazu nutzen, auf etwaige neue oder wieder in Erinnerung gekommene Themen einzugehen.
In den letzten 12 Monaten habe ich insgesamt ca. 57.500km zurückgelegt. Mein Fahrprofil stellt sich nach wie vor wie im Ausgangspost geschildert dar. Kurz zusammengefasst bedeutet dies ca. 70% Autobahn, 25% Landstraße und 5% Stadtverkehr. Mir ist dabei aufgefallen, dass die über Alles gefahrene Durchschnittsgeschwindigkeit gegenüber den von mir gefahrenen Verbrenner von etwa 85-88km/h auf etwa 78km/h gesunken ist. Ich habe meine Zielgeschwindigkeiten allerdings nicht verändert (erlaubte Geschwindigkeit +10km/h). Liegt aber wohl an folgenden beiden Punkten, warum ich etwas langsamer unterwegs war:
- Teilweise habe ich bei DC-Ladevorgängen die Zündung an, da die Kids gerne die Zeit mit den Spielen im Infotainment verbringen.
- Auf meiner täglichen Pendlerstrecke war das letzte halbe Jahr über viele Kilometer eine Baustelle eingerichtet, die doch einige Mehrminuten Fahrzeit bedingt hat.
Hab mich mal mit den Daten im Thread von WieDerEisbaer (Zwischenfazit nach dem ersten Jahr und 44.000 km)
verglichen: Dort ergibt eine Zielgeschwindigkeit von 130km/h einen Langzeitdurchschnitt von 72km/h. Wir haben anscheinend ein sehr ähnliches Bewegungsprofil.
Wie schon aus meinen vorherigen Posts erkennbar, bin ich eigentlich sehr zufrieden mit dem ID.7. Daran hat sich auch nichts geändert. Verständlicherweise ist die anfängliche Euphorie beim erstmaligen Umstieg auf Elektromobilität ein wenig verflogen. Allerdings möchte ich die Vorteile daraus nicht mehr missen und schätze die angenehm ruhigen Fahrten jeden Tag. Trotzdem gibt es, wie fast immer, Luft nach oben. Daher nachfolgend ein paar Punkte, die ich teilweise schon mal erwähnt habe, aber trotzdem nochmals wiederholen möchte. Bitte diese Aufzählung nicht als Nörgelei verstehen. Im Gegenteil: Ich halte den ID.7 für ein sehr gelungenes Fahrzeug. Trotzdem ist nichts perfekt und da manche mehr und manche weniger empfindlich auf Unzulänglichkeiten reagieren, möchte ich sie trotzdem ansprechen.
- Nachdem die letzten Wochen nun wieder deutlich kälter sind, kam die nicht optimale Klimasteuerung im Winter wieder in den Fokus. Wie bereits in einem eigenen Thread ausführlich diskutiert (Bei jeder Fahrt kalte Oberschenkel?!) finde auch ich die Steuerung etwas anstrengend. Generell ist der ID.7 „kälter“ als bisherige von mir gefahrene Fahrzeuge (Wohlfühltemperatur im Winter statt 21 Grad nun 23 Grad) und nach einer halben Stunde muss um 1 Grad nach oben nachjustiert werden. Bei Alleinfahrten ist zudem bei kalten Temperaturen auch Lenkrad- und Sitzheizung in der niedrigsten Stufe in Betrieb.
Das sollte VW zukünftig ein Augenmerk drauf legen und die Steuerung wieder besser lösen.
- Durch die kalten Außentemperaturen (ca. ab 5 Grad) machen sich wieder die knarzenden Lüftungsgitter in den ersten Minuten beim "Wedeln" bemerkbar. Zum Glück aber nur 2-3 Minuten, dann ist alles ruhig (siehe auch hier: ID.7 automatische Verstellung der Lüftung knarzt). In diesem Thread wird ja auch die TPI genannt, mich stört es aber nicht genug, um deswegen extra zur Werkstatt zu fahren.
- Wenn es dann zudem feucht ist neigen die Assistenzsysteme beim Morgenstart zu einem Totalausfall. Aber auch das legt sich nach 2-3 Minuten.
- Ich habe die OEM-Scheibenwischer nicht per se schlechter empfunden als bei meinen bisherigen Fahrzeugen. Aufgrund dessen, dass die Wischer die letzten Wochen allerdings bei nur leicht feuchter Scheibe immer mehr zum Rattern geneigt haben, wurde diese auf meine eigenen Kosten von mir getauscht. Dafür extra in die Werkstatt zu fahren, war mir zu mühsam. Hab daher die 30 EUR für einen Satz Bosch A121s privat ausgegeben. Hier rächt sich ein wenig das lange Serviceintervall von 2 Jahren. Bisher wurde ich ja alle 7 Monate nach 30.000km in der Werkstatt zum Service vorstellig und hatte daher weitaus öfter die Möglichkeit, den Tausch über die Leasing machen zu lassen.
- Der Übergang der Bremse von Rekuperation auf mechanische Bremsung auf den letzten km/h zum Stillstand finde ich nach wie vor schwammig und nicht gut gelöst. Eigentlich wäre ja davon auszugehen, dass bei gleicher Pedalstellung die gleiche Bremskraft aufgewendet wird. Allerdings muss ich immer wieder feststellen, dass beim Übergang auf die mechanische Bremse etwas nachgedrückt werden muss, um die bis dahin anliegende Verzögerung bis zum Stillstand weiter zu behalten. Ist zwar machbar, aber doch ein wenig nervig.
- Laden zur Abfahrtszeit funktioniert in Ausnahmefällen nicht immer zuverlässig. Der eingestellte Zielwert wird dann nicht erreicht. Ich konnte allerdings noch kein Muster oder einen speziellen Grund erkennen.
- Ebenfalls in Ausnahmefällen war in den Sommermonaten eine nicht optimale Ladekurve zu verzeichnen. Auch dieses Thema wurde schon umfangreich erörtert (Ladeleistung bricht ein). Da dies aber nur einige wenige Male auftrat und zu einer Verlängerung des Ladevorgangs von nur so 2-3 Minuten geführt hat, sehe ich das als verschmerzbar an.
- Auch wenn es ein Firmenfahrzeug ist, möchte ich im Rahmen der mir zur Verfügung stehenden Ladekarten so günstig wie möglich laden. Hierzu fehlt mir nach wie vor eine Ladeplanung mit Anbieterfilter. Ich kenne zwar mittlerweile die Ladeinfrastruktur auf meinen Standardstrecken recht gut bzw. hilft die App Chargeprice sehr, allerdings wäre ein Filter nach meiner laienhaften Meinung nicht so schwer umzusetzen.
- Entgegen meinen bisherigen Gewohnheiten habe ich mich entschieden, den ID.7 nur per Hand und nicht in der Waschanlage zu waschen. Trotzdem sind auf den schwarz lackierten Teilen, vor allem auf den Türholmen, deutliche Swirls zu sehen. Dafür ist der Pianolack im Innenraum nach wie vor ansehnlich.
Ansonsten hatte ich in den letzten Monaten keine neuen Probleme / Unzulänglichkeiten feststellen müssen. Der ID.7 macht was er soll. Er läuft und läuft und läuft …
Zum Akku möchte ich auch ein paar Worte verlieren. Zum Verbrauch habe ich ja schon einiges geschrieben. Das Sommerhalbjahr habe ich mit einem Verbrauch von 17,1 kWh/100km beendet. Vergleich Thread von WieDerEisbaer: 17,0kWh (etwas langsamer unterwegs, dafür mit 20“ anstatt 19“)
Seit gut einem Monat habe ich wieder die Winterschlappen montiert und liege aktuell bei 20,4 kWh/100km. Wird sich aber noch erwartungsgemäß auf ein ähnliches Niveau wie im vorherigen Winterhalbjahr von etwa 22,0 kWh/100km erhöhen. Da liege ich dann doch deutlich über den Werten von WieDerEisbaer, was wohl an der von mir gefahrenen Topografie im Winter liegt (zahlreiche Höhenmeter aufgrund von sehr vielen Tagesausflügen zum Skifahren).
Ich befinde mich somit am Beginn des zweiten Winterhalbjahres, womit das Thema Degradation interessant wird. Ich hätte bis dato noch keinen signifikanten Unterschied feststellen können. Allerdings kann ich anhand der Tronity-Daten (monatliche Reichweite und monatlicher Durchschnittsverbrauch) feststellen, dass eine rechnerische Degradation von etwa 4-5% vorliegt. Das schwankt allerdings ein wenig je nach Monat. Ob das eine valide Herleitung ist, trau ich mich allerdings nicht mit Sicherheit sagen. Mehr kann ich dann wahrscheinlich im Frühling dazu vermelden.