Ich bin am 27.6.2025 zu einer Reise nach Süden ohne Vorbuchung aufgebrochen, weil mich wieder wie im letzten Jahr das Fernweh plagte, meine Frau noch keinen Urlaub hatte und ich sehen wollte, wie es außerhalb Deutschlands bzw. Europas 2025 mit Lademöglichkeiten für E-Autos aussieht. Insgesamt sind es 7095 km in zehn Tagen mit dem ID.3 pro S geworden. Die angehängte Datei zeigt die Route auf der Karte: Bördekreis - Verdun - Limoges - Oradour - Bordeaux - Gijon - Leon - Sevilla - Tanger - Chefchaouen - Fes - Meknes - Rabat - Tanger - Malaga - Valencia - Barcelona - Lyon - Bördekreis.
Die Navigation funktionierte mit der VW-Software 3.7 bis Lyon innerhalb der EU gut. Danach stürzte die Routenplanung, eventuell auf Grund der Temperatureinwirkung, fast reproduzierbar ab. Glücklicherweise standen die für Marokko vorgesehenen Alternativen Google-Maps und ABRP pro über Android-Auto zur Verfügung. Die Möglichkeiten von ABRP + ODB-Dongle für die Fahrzeugkopplung sind der originalen Software überlegen, weil die aktuellen Einflüsse des Höhenprofils, des Windes, der Temperatur, des Niederschlags zusätzlich berücksichtigt werden und so fast eine Punktlandung beim SoC ermöglicht haben. Allerding empfand ich die Bedienung während der Fahrt als anstrengender als die der Lösung von VW.
Die für das Laden in Marokko mit einer speziellen App an Fastvolt-Stationen nötige Online-Verbindung stellte eine in Tanger gekaufte physische SIM von Maroc Telekom mit 5 GB für Daten an Stelle der 20 GB-Otelo-SIM sicher. E-SIMs oder SIMs sind offiziell an den Verkauf in Marokko nach Pass-Registrierung gebunden. Das klappte zunächst nicht, weil ich die im Hafen von Algerica angebotenen Maroc Telekom SIM-Karten wegen alternativlos nur 100 MB Datenvolumen und die im Hafen von Tanger Med von Inwi mit 5 GB ablehnte. Inwi funktioniert bisher auf den Strecken im Inneren des Landes nicht zuverlässig genug für Online-Navigation. Durch danach ausbleibende weitere Angebote kam bei Dunkelheit als letzte Rückfallebene die Offline-Navigation OSMAnd+ auf meinem Tablet eingeklemmt zwischen den Vordersitzen zum Einsatz, um einen geeigneten Autobahnrastplatz zu finden. Beim Versuch etwas über SIM-Karten-Erwerbsoptionen zu erfahren, sprach ich dort eine marokkanische Familie an. Mit den Worten "Welcome in Marocco" bauten Sie eine SIM aus einem ihrer Geräte aus, um sie mir zusammen mit 200 Dirham zu schenken. Den Versuch die Dinge zu bezahlen, wehrten sie entschieden und letztlich erfolgreich ab. Diese außergewöhnliche Geste machte mich fast sprachlos und sehr dankbar.
Whatsapp und Telefonie innerhalb des marokkanischen Netzes funktionierten nun nach Einbau in mein Smartfon. Allerdings schlug der Aufbau von Webseiten und die Registrierung eines Fastvolt-Kontos in der schon zu Hause installierten Fastvolt-App fehl, obwohl ich ja nun eine marokkanische Telefonnummer hatte. Für die Fastvolt-Konten-Registrierung ist bisher diese oder eine marokkansiche Email-Adresse nötig.
Morgens stellte sich dann heraus, dass es auf dem Gelände eine kostenlos nutzbare Fastvolt-Ladesäule gab und dass der Tankstellenshop neben hervorragenden Kaffee und sauberen Toiletten auch Maroc-Telekom-5GB-SIM-Karten im Angebot hat. Diese werden vom Shop-Verkäufer eingebaut, aktiviert und in Betrieb genommen. In meinem Fall bereitete ihm das aber unvorhergesehene Schwierigkeiten. Gleiches Ergebnis wie vorher mit der geschenkten Inwi-Karte. Nach längerem Probieren dann die Lösung, offenbar funktionierte der SMS-Empfang für die Automatik-Konfiguration auf meinem Pixel nicht und die APs für Mobile Daten mussten manuell konfiguriert werden. Danach luden alle Webseiten erfolgreich.
Nur der Bestätigungscode für die Fastvolt-Kontenregistrierung blieb weiterhin aus. Ich wandte mich an den Fastvolt-Support, die Mitarbeiterin machte nach kurzem Telefonat auf englisch schriftliche Kommunikation auf deutsch in Whatsapp möglich, um Fotos und Screenshots auswerten zu können. Trotz dieser engagierter Kollegen zunächst kein Erfolg, erst der Hinweis eines Hintergrund-Technikers, dass der SMS-Versand erst nach einer Wartezeit von zwei Stunden funktioniert, brachte dann den Durchbruch. Alle Schwierigkeiten mit Fastvolt-Säulen, wie die einer abseits der Google-Position in einer Tiefgarage eines Fünf-Sterne-Hotels versteckten, wurden so innehalb von fünf Minuten gelöst. Vielen Dank an den Fastvolt-Support.
Fastvolt betreibt in Marokko ein Ladenetz mit großem Stationsabstand. Ein alternativer Standort ist praktisch normal nicht mehr erreichbar, würde man im SoC-Range 10-80 % fahren. Einige Säulen kombinieren 22 kW AC und 100 kW DC, der Rest sind die auch hier verbreiteten dreifach 50 kW Lader mit AC, DC und Chademo. Alle genutzten Säulen verfügten über Toiletten und Shops in der Nähe und konnten zur Mitarbeit überredet werden. Die umfangreiche und ansprechende App benötigt bei schnellen Statusänderungen einen Neustart der App, die Standortweitergabe an Google Maps funktionierte bei mir gar nicht, so dass die Adressen manuell übernommen werden mussten.
Der Betrieb meines Notlade-Zubehörs an einer Schuko-Steckdose mit männlichem Schutzkontakt in einem neuen Hotel scheiterte mit einer Fehlermeldung zu fehlender ordnungsgemäßer Erdung des Schutzleiters. Ein prüfender Blick in den zugehörigen Stromkreisverteiler offenbarte weitere gravierende Sicherheitsmängel, wie fehlende Abdeckungen, falsche Aderkennzeichnung und fehlende Schutzleiter, obwohl Marokko offiziell IEC 60364 adaptiert hat. Eine Rückfrage ergab, dass dieses Übel wohl kein Einzelfall ist. Fortsetzung folgt.