Nach dem knappen ersten Monat mit 5.000km möchte ich gerne meine initialen Erfahrungen mit meinem ID.7 teilen. Weitere Langzeiterfahrungen werde ich beizeiten ergänzen.
Es handelt sich um einen Tourer Pro, der als Firmenleasing-Fahrzeug betrieben wird. Ausstattungsdetails (https://konfigurator.volkswagen.at Code: PYF8MC):
- Pro Business (inkl. Interieurpaket, Komfortpaket, Assistenzpaket)
- Exterieurpaket Plus inkl. Panorama
- Wärmepumpe
- AHK
- 19" Felgen Hudson (Sommer)
Kurz zu meiner Fahrzeughistorie, um meine Vergleichsbasis zu verstehen:
- 06/2007-03/2010 VW Polo IV 1.9TDI - 127.000km
- 03/2010-01/2011 VW Golf V Combi 2.0TDI - 51.000km
- 01/2011-02/2014 Skoda Superb 3T Combi 2.0TDI - 177.000km
- 02/2014-07/2014 VW Tiguan I 2.0TDI - 23.000km
- 07/2014-03/2017 BMW 320d Touring - 145.000km
- 03/2017-03/2021 BMW 218d Gran Tourer - 160.000km
- 04/2021-11/2024 Skoda Superb 3V Combi 2.0TDI – 200.000km
Die Vergleiche werde ich aber verständlicherweise hauptsächlich zum letzten Superb ziehen.
Ausgangsbasis
Mein generelles Fahrprofil stellt sich wie folgt dargestellt:
- Meine typische, fast tägliche Pendlerstrecke führt über 85km einfache Strecke überwiegend über österreichische Autobahnen.
- Dazu kommen am Wochenende kurze Stadtstrecken sowie 5-6 Mal im Monat längere Strecken über 100-150km (70% Autobahn bzw. 30% Landstraße) bzw. 5-6 Mal im Jahr über 600km (fast ausschließlich Autobahn) jeweils hin und retour.
- In Summe lege ich im Schnitt ca. 4.500km im Monat bzw. 55.000km im Jahr zurück.
- Ich fahr gern zügig unter Ausreizung der Toleranzen, habe aber in den letzten 8 Jahren nur eine Strafe wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung bekommen (allerdings hat das erste Monat E-Auto dazu geführt, dass ich auf der Autobahn die Geschwindigkeitsbegrenzung eher unter- als überschreite 😉)
- Die täglichen Pendelfahrten mache ich alleine, die restlichen Fahrten meist mit Frau und zwei Kindern (9 und 5 Jahre).
Nachdem meine Firma seit einiger Zeit die Auswahl von Elektrofahrzeugen fördert und die steuerlichen Vorteile die Mehrkosten für den Arbeitnehmer aufgrund der internen Dienstwagenrichtlinie aufheben, war es an der Zeit umzusteigen. Nach einigen Recherchen kreiste die engere Auswahl um den MEB-Baukasten, zumal die Auswahl aufgrund der Dienstwagenrichtlinie sowieso auf die großen deutschen Hersteller beschränkt war. Neben dem ID.7 hatte ich ID.4, Q4 etron und vor allem Enyaq ins Auge gefasst. Nachdem ich aber eigentlich ein Kombi-Fan bin, der ID.7 das neueste Auto darstellt und dieser grade so ins Budget passte, viel die endgültige Entscheidung dann nicht schwer.
Leider musste ich mich um 2-3 Wochen zu früh Mitte Juni dieses Jahres bestellen. Ab Juli wäre in Österreich auch der Pro S verfügbar gewesen. Ob der Mehrpreis von 4.000 EUR für mich finanziell realisierbar gewesen wäre, kann ich nicht sagen. Hätte die längeren Strecken im Winter aber um einiges entspannter gemacht.
Nun aber zu den ersten Erfahrungen:
Optik
Finde den ID.7 durchaus gelungen auch wenn das typisch pummelige E-Auto-Erscheinen nicht weg zu diskutieren ist. Die Zeit der schlanken Kombis ist wohl vorbei. Meine Wunschfarbe Kings Red inkl. Black Style war zum Zeitpunkt der Bestellung in Österreich noch nicht verfügbar, daher die für mich zweitbeste Farbwahl in Stonewashed Blue.
Wollte dazu aber unbedingt das schwarz abgesetzte Dach haben. Da dies nur iVm dem Pano auswählbar war, hat dies meinen Wunsch doch etwas teuer gemacht. Andererseits hatte ich in früheren Modellen schon zwei Mal ein Pano und fand dies ganz angenehm. Mal schauen, wie die Erfahrungen dann im Sommer sind.
Habe mich nach dem Stahlgrau des Superbs bewusst für einen Metalliclack entschieden, da auf dem Uni-Lack jede klein Imperfektion durch Steinschläge oder Kratzer sofort ins Auge gestochen sind.
Die 19-Zöller waren eine bewusste Entscheidung pro Reichweite. Für die Basisgröße sind sie ganz ok. Vor allem die von der Leasing verwendeten AZW Massa für die Winterräder finde ich optisch ganz gut. 20 Zoll wäre natürlich für die Optik besser, 21 Zoll nach meinem Empfinden aber fast schon wieder zu groß.
Was ich aber zur Farbe jedenfalls schon sagen kann: Ist schmutzempfindlicher als das Stahlgrau meines bisherigen Superbs, aber diese Farbe hinsichtlich Schmutzempfindlichkeit zu toppen, ist doch schwer.
Alles in allem schau ich meinen ID.7 aber schon gern an.
Sitzkomfort
Nachdem ich auch mal sehr lange Strecken unterwegs bin, spielt der Sitzkomfort eine große Rolle. Als beste Sitze bisher empfand ich die Sportsitze im 3er BMW. Jene im 2er waren sehr ähnlich, wenn auch nicht ganz auf diesem Niveau. Die Superb-Sportsitze fand ich straff aber trotzdem bequem.
Für das Interieurpaket Plus hat das Budget nicht mehr gereicht, allerdings finde ich die Sitze im Interieurpaktet ebenbürtig zu allen bisherigen Sitzen. Durch meine schmalen Oberkörper vermisse ich nach wie vor die verstellbaren Wangen der Lehnen der BMWs, ist aber nicht so, dass ich unkontrolliert hin und her rutsche. Dafür freut mach, dass ich wieder manuell ausziehbaren Schenkelauflagen habe.
Die Massagefunktion ist grundsätzlich eher was für die Beifahrerin. Wenn diese aber entspannt ist, bin ich es auch.
Zusammengefasst können auch lange Strecken sehr entspannt sitzend zurückgelegt werden.
Fahrkomfort
Im Superb hatte ich schon das DCC und war vom Komfort des Fahrwerks fasziniert. Trotzdem war die Spreizung der Modi so groß, dass im Sportmodus auch mal schneller um die Kurven geräubert werden konnte. Das DCC im ID.7 ist sehr ähnlich. Nur manchmal kommen kurze Stöße durch. Mag wohl auch am höheren Gewicht des ID.7 liegen.
Was ich als sehr angenehm empfinde, ist die himmlische Ruhe im Auto nicht zuletzt aufgrund der geräuschdämmenden Scheiben. Bei meinen täglichen Pendelfahrten habe ich mir seit etwa einem halben Jahr angewöhnt, ohne Musik zu fahren. Und da spielt der ID.7 natürlich in einer ganz anderen Liga als der Superb.
Erst ab etwa 130km/h nehmen dann die Windgeräusche merklich zu.
Fahrdynamik
Bei den BMWs habe ich besonders die agilen und durchzugsstarken Motoren mit 184PS (3er) bzw. 150PS (2er) geliebt. Der Superb hatte ebenfalls 150PS, aber durch das höhere Gewicht ein Stück behäbiger, trotzdem definitiv nicht langsam.
Hinsichtlich Beschleunigung ist der ID.7 eine andere Welt. Beim Ampelstart muss ich meinen rechten Fuß zügeln, da ich schon paar mal unsanft nach hinten gedrückt wurde. Was sich aber gegenüber einem Verbrenner (egal ob Schalter oder Automatik) unglaublich gut anfühlt, ist die konstante Beschleunigung bis zur Wunschgeschwindigkeit. Ist für mich ein ganz neues Gefühl von Fahren.
Sportlich gefahrenen Landstraßen / Passstraßen sind sehr schön flüssig zu fahren und macht durchaus Spaß. Das hohe Gesamtgewicht ist dennoch nicht zu verleugnen. Der ID.7 ist eher ein Cruiser als ein Sportler.
Assistenzsysteme
Die Assistenzsysteme arbeiten ähnlich präzise wie im Superb. Interessanterweise empfand ich die Geschwindigkeitserkennung im Superb aber exakter. Der Travel Assist arbeitet aber sonst perfekt. Muss aber dazu sagen, dass ich diesen ausschließlich auf Autobahnen nutze.
Die Steuerung des Travel Assist übers Lenkrad mag ich persönlich deutlich lieber als den dritten Lenkradhebel.
Was ich nach einer Testphase dann aber deaktiviert habe, ist der assistierte Spurwechsel. Leider bremst mich das System vom Wechsel von der dritten auf die zweite Spur immer wieder unsanft ein, wenn auf der ersten Spur LKWs fahren.
Nervig ist die Geschwindigkeitswarnung, zumal ich bis dato immer vergesse, diese bei Fahrtantritt auszuschalten.
Meine Beifahrerin ist mit der Gurtstraffung kurz nach dem Losfahren etwas unglücklich, wobei ich persönlich damit wieder kein Problem habe.
Das HUD finde ich genial. Ist das erste Mal, dass ich eines hab.
Bildqualität der Rückfahrkamera ist, wie schon mehrfach im Forum angemerkt, eines solchen Autos nicht würdig. Am Tag geht es gerade so, aber in der Nacht ist nur sehr wenig zu sehen.
Ergonomie
Bin nach wie vor kein großer Fan davon, (fast) alles über Touch zu steuern. Dazu muss ich einfach immer den Blick von der Straße nehmen, um die Felder richtig zu treffen. Dies betrifft sowohl Zentralbildschirm, Touchfeld links neben dem Lenkrad und auch die Flächen am Lenkrad.
Die Lenkradtasten führen bei mir immer wieder mal zu Fehleingaben. Insbesondere die korrekte Geschwindigkeitswahl beim TA ist seeehr gewöhnungsbedürftig.
Die fehlende Außenspiegelabblendung ist zwar merkbar, hätte mich aber bis dato nicht sonderlich gestört.
Das Menü des Infotainmentsystems ist aufgrund der Vielzahl der Funktionen natürlich sehr umfangreich, gibt aber zum Glück nicht allzu viele Rätsel auf. Nur vereinzelte musste ich auf das Bordbuch oder Youtube zurückgreifen.
Materialqualität / Verarbeitungsqualität
Die Innenraumqualität ist von den Materialien vergleichbar mit dem Superb in Sportline-Ausführung (Alcantara). Alle Materialien fühlen sich hochwertig an. Hartes Plastik findet sich lediglich in den zu erwartenden Bereichen im Fußraum.
Leider hat der Klavierlackanteil gegenüber Superb wieder zugenommen. Mag zwar optisch zu Beginn gut aussehen. Allerdings mögen Staub und Fingerabdrücke diese Flächen ganz besonders. Und mit der Zeit zerkratzen diese Flächen auch bei pfleglicher Behandlung. Der Carbon-Look des Superb war da weitaus vorteilhafter.
Außen ist mir ein großer Spalt zwischen den beiden Teilen der Silberspange über den Seitenscheiben aufgefallen. Fällt nicht sofort auf, aber wenn man es mal gesehen hat, dann hat man es immer im Auge.
Der Kombihebel an der Lenksäule ist nicht supersauber verarbeitet. Eine leicht scharfe Kante ist zu erfühlen.
Generell würde ich die Materialqualität aber sogar über dem Superb einordnen. Dies liegt zwar nur an Kleinigkeiten (z.B. komplett verkleidete Türen), ist aber doch merkbar.