Rekuperations-Thread

  • Ich fahre viele Kurzstrecken im Stadtverkehr und da ist das hohe Gewicht und die größeren Räder sicher ein Nachteil.

    Hallo,


    ich dachte, dass E-Autos gerade im Stadtverkehr wg. der Rekuperation Verbrauchsvorteile haben. Bei konstanter Autobahn-Fahrt kommt es ja hauptsächlich auf Luftwiderstand und Rollwiderstand an, aber in der Stadt kann man zumindest theoretisch durch Rekuperation einen großen Teil der Energie zurückgewinnen. Hier sehe ich auch den größten Nachteil des Heck-Antriebs des ID.3. Normalerweise erbringt die Vorderbremse ca 70% der Bremsleistung, so bleiben nur 30% für die Hinterachse. Man muss also schon eher sachte Bremsen, wenn man hier viel zurückgewinnen will.


    Gruß

    quas

  • z.B. an der Strecke, wo man rekuperiert steckt man vorher 100% hinein und bekommt dann ca. 60% zurück. (Wirkungsgrad)-


    Bekanntlich bringt vorausschauend Fahren mit "Segeln" dh. im Stadtverkehr ausrollen lassen, die größere Reichweite - hat dabei aber mehr Zeitaufwand.


    Dynamisches Fahren auf der Autobahn!

    ID.3 Tech Stonewashed Blue 17.Dez.2020 Software 07928)

  • Dynamisches Fahren auf der Autobahn!

    Wie ist das zu verstehen? Abwechselndes Beschleunigen und Bremsen soll die Reichweite erhöhen? Tatsächlich dürfte gleichmäßige Fahren die höchste Reichweite erzielen, da ja nur ein Teil der für die Beschleunigung aufgebrachte Energie zurückgewonnen werden kann.

    Wie gesagt, die aufgebrachte Energie zur Überwindung von Luftwiderstand und Rollwiderstand ist verloren, aber kinetische Energie und Lageenergie können zumindest teilweise zurückgewonnen werden. Es gab hier schon Untersuchungen zur Verbrauchsenkung von Hybridfahrzeugen die Navigationsdaten auszuwerten. So kann beispielsweise beim Bergauffahren der E-Motor unterstützen und die Batterie entleeren, wenn aufgrund der Streckenführung klar ist, dass es bald wieder bergab geht, und so die Batterien wieder geladen werden können.

    ca. 60% zurück. (Wirkungsgrad)-

    Woher kommen die 60%? Wirkungsgrad des E-Motors als Generator oder Lade-Verluste, oder alles zusammen? Ich denke hier kommt es vor allem auf das Gesamtkonzept an und da sehe ich den Heckantrieb des ID.3 hinsichtlich der Rekuperationsmöglichkeiten als nicht ideal an. Hinsichtlich Fahrdynamik, Wendekreis und Komplexität des Antriebsstrangs ist der Heckantrieb natürlich eine feine Sache.

    Gruß

    quas

  • Hier sehe ich auch den größten Nachteil des Heck-Antriebs des ID.3. Normalerweise erbringt die Vorderbremse ca 70% der Bremsleistung, so bleiben nur 30% für die Hinterachse. Man muss also schon eher sachte Bremsen, wenn man hier viel zurückgewinnen will.

    Das ist Unsinn, anders kann man das nicht sagen. Es ist ärgerlich wenn in E-Auto-Foren solche Meinungen verbreitet werden. Da steckt noch der Vorderradantrieb von VW Golf & Co. in den Köpfen. Der VW id.3 hat übrigens Hinterradantrieb, keinen Heckantrieb wie beim Käfer, wo der Motor hinter der Hinterachse im Heck saß.


    Man kann 100% der alltagsrelevanten Bremsleistung über die Hinterachse erbringen und dabei alles rekuperieren was technisch machbar ist, siehe Smart, BMW i3, Tesla ohne Dual Motor. Nur auf rutschiger Fahrbahn und bergab ist es sinnvoll auch die Vorderachse an der Rekuperation zu beteiligen oder eben vorne zu bremsen.

    In Notsituationen oder im Rennsport muss sowieso an beiden Achsen gebremst werden. Nur dann kommt dein 70%-30%-Beispiel zum Tragen.

    Die Formel E fährt übrigens mit Hinterradantrieb, rekuperiert somit also auch nur hinten (bislang zumindest).

  • Es ist ärgerlich wenn in E-Auto-Foren solche Meinungen verbreitet werden.

    Wo soll man sonst seine Meinung zu E-Antrieben mitteilen. Ich bin im Übrigen kein Gegner von E-Antrieben, das Gegenteil ist der Fall.

    Man kann 100% der alltagsrelevanten Bremsleistung über die Hinterachse erbringen und dabei alles rekuperieren was technisch machbar ist,

    Das erfordert aber eine andere Fahrweise, als die bisher zumeist gängige. Das funktioniert nur dann gut, wenn man eher sachte bremst und das habe ich auch gesagt. Gerade im Zusammenhang mit der Segelfunktion, kann es aber leicht passieren, dass man doch im Stadtverkehr eher mal stärker auf die Bremse treten muss. Zumindest ist das meine bisherige Erfahrung mit dem Freilauf im DSG beim T6.1. Wie das im ID.3 umgesetzt ist kann ich natürlich nicht beurteilen. Aber das hoffe ich ja hier zu erfahren. Ansonsten bin ich nur der Meinung, dass es eben noch mehr Potential für die Energierückgewinnung gibt, wenn man auch die Vorderachse dafür einsetzt.

    Da steckt noch der Vorderradantrieb von VW Golf & Co. in den Köpfen.

    Wo habe ich für einen reinen Vorderradantrieb plädiert? Bin im übrigen noch nie Golf gefahren.

    Der VW id.3 hat übrigens Hinterradantrieb, keinen Heckantrieb

    Das finde ich jetzt etwas spitzfindig. Es war ja wohl klar was gemeint war.


    "Der Heckantrieb ist eine Ausführung des Hinterradantriebs bei Kraftfahrzeugen, bei dem die gesamte Antriebseinheit (bestehend aus Heckmotor, Getriebe und Antriebsachse) auf bzw. direkt hinter der Hinterachse zusammengefasst ist."

    Quelle Wikipedia


    Das dürfte aber auch auf den ID.3 zutreffen, soweit ich weiß sitzt der Motor doch in der Hinterachse, oder?


    Gruß

    quas

  • Gemoije

    Ich denke, dass der ID.3 dem Ioniq und dem Kona in Sachen Verbrauch nicht das Wasser reichen kann. Hyundai ist da schon effektiv unterwegs.

    Ich persönlich möchte aber auch nicht hinter LKW`s rumökologisieren wie Holger Laudeley. ;) Auf die KWh Verbrauch kommt es mir nicht an.

    Ein bisschen Spaß muss sein......:saint:, oder wie singt Markus; ich will Spaß, ist geb Gas ;)Ups, Strom :)

    Ich habe noch ein Fahrzeug wo kein elektronischer Krimskrams mir die Fahrfreude streitig mach und ich bin schon viele Antriebsarten gefahren, jede hat seinen Vor und Nachteile. Aber mit dem Alter wird man ruhiger.:P

    Zur Rekuperation. Wir können beim ID.3 zwischen D und B wählen. D, segeln, B, rekuperieren. Je nach empfinden ist die Rekuperation stärker oder schwächer. Eigentlich kann man die Rekuperation nur richtig beurteilen, wenn man von einem E-Fahrzeug kommt. Dann hat man nämlich einen direkten Vergleich. Ich kann mir Vorstellen, dass im Eco Modus die Rekuperation nochmals etwas stärker ist. Ich nehme es wie es kommt.


    Nur noch 10 Tage......;(


    Glück Auf.....Frank 8)

    Elon Musk ist mein Held, alles dauert zwar ein wenig, aber er hält Wort und verändert mit seinen Taten die Welt :!:

    Und für unsere Nachkommen sollten wir etwas tun, dass auch Sie noch eine Lebenswerte Welt haben. :)

  • Man muss also schon eher sachte Bremsen, wenn man hier viel zurückgewinnen will.

    Wie erfahren bist du denn in diesem Bereich?

    Ich muss zugeben, ich weiß nicht wie es technisch und auch praktisch beim ID.3 gehandhabt wird aber ich kann der Vergleich zu Tesla ziehen. Dort ist es so, dass bei Rekuperation im "normalen" Modus, die Rekuperation einsetzt sobald man vom Pedal geht. Stichwort One-Pedal-Drivinig. Man erkennt an einem grünen Balken sofort, dass er rekuperiert.


    Im Fahrverhalten ist es dann so, dass man z.B. innerorts vom Pedal geht, somit die Rekuperation beginnt und man direkt die Verzögerung spürt. Das ist anfangs etwas ungewohnt und man benötigt 1-2 Tage bis man dies innehat. Speziell wenn man von früheren Fahrzeugen "segeln" gewohnt ist, kommt es anfangs vor, dass man viel zu früh vor einer Kreuzung die Geschwindigkeit reduziert und dann nochmal kurz aufs "Gas" muss.


    Erst wenn man stärker verzögern/bremsen möchte betätigt man das Bremspedal. Das hat mit "sachte bremsen" absolut nichts zu tun, da man, wenn man die Rekuperation in sein Fahrverhalten mit einbezieht, nur dann bremst wenn man wirklich komplett zum Stillstand kommen möchte.


    Bei höheren Geschwindigkeiten reduziert sich die spürbare Rekuperation übrigens automatisch. Wenn man also bei 200 auf der Autobahn vom Pedal geht, dann "spürt" man quasi gar keine Rekuperation, obwohl sie trotzdem stattfindet. Das ist auch gut so, denn es könnte durchaus gefährlich werden wenn man bei Tempo 200 jedes mal eine Vollbremsung bei den hinterher fahrenden Fahrzeugen verursacht weil die Bremsleuchten rot leuchten. :)


    Beim Porsche Taycan ist es übrigens so, dass die Rekuperation nicht über den Motorwiderstand kommt sondern komplett über die Bremse stattfindet. Soweit ich weiß ist das etwas effizienter. Porsche hat sich aber auch für diesen Weg entschieden weil ansonsten das Porsche typische Fahrgefühl beeinträchtigt wäre.

  • Beschleunigen, Rekuperieren und Bremsen beim ID.3 habe ich bei der Probefahrt vorige Woche wie folgt in Erinnerung:

    Ich hoffe, ich liege richtig, da ich noch keine Betriebsanleitung habe.


    20191206 264 id.3 strom-bremspedal.jpg


    Das Hin- und Herschalten ist eine feine Sache.

    Im Vergleich zu meinem BMW i3 kann man sich sehr schnell daran gewöhnen.

    ID.3 Tech Stonewashed Blue 17.Dez.2020 Software 07928)

  • Cooler Thread ;)

    Ich habe die Beiträge oben gelesen und gedacht, dass wir uns doch eigentlich alle einig sind, nur oftmals falsch verstehen oder aneinander vorbei reden.

    Ich versuche daher nochmal zusammenzufassen (Credit an alle Vorredner).


    Wir wollen alle möglichst nicht bremsen, sondern rekuperieren, weil:

    Energie im Akku -> gut,

    Bremen abnutzen und Energie in Wärme -> doof.


    Wenn der Motor die Hinterachse antreibt/ abbremst, dann ist das zumindest theoretisch nicht optimal, weil: bei einer Bremsung die Bremslastverteilung eher auf der Vorderachse liegt, also hier mehr Energie abgegriffen werden könnte. Ebenso kann die Hinterachse mit Rekuperation nicht beliebig stark abgebremst werden, da die hinteren Reifen die Seitenführung gewährleisten müssen (Siehe Effekt beim Handbrems-Drift).

    Praktisch gesehen spielt das aber eine untergeordnete Rolle, weil: die meisten Bremsungen/ Verzögerungen des Alltags derart moderat sind, dass die o.g. Nachteile über Rekuperation an der Hinterachse nicht ins Gewichtfallen. Das sehen wir auch daran, dass, wie schonmal genannt, viele andere Fahrzeuge auf dieses Konzept setzen, sehr sportliche Fahrzeuge aber vermehrt auf Rekuperation an der Vorderachse setzen.


    Zusammenfassung Ende.


    tobacco - gutes Bild, habe ich genau so empfunden.

    Bei meiner Probefahrt mit dem ID3 hatte ich ebenfalls den Eindruck, dass ich normal fahren konnte, ohne die Scheibenbremse zu nutzen. Also genau wie es sein sollte.

    Ich bin mir aber auch sicher, dass ich bei der ersten sportlich ambitionierten Fahrt gerne mehr Energie rekuperieren würde.


    Was mich von den aktuellen ID3 Fahrern interessieren würde:

    Was ist eure maximale Rekuperationsleistung beim OPD?

    Was ist euere maximale Rekuperationsleistung beim „bremsen“?

    Seid ihr Pauschale OPD oder Bremser oder schaltet ihr je nach Fahrsituation um?


    Gruß

  • Super Zusammenfassung, danke ElectroVirgin :thumbup:

    Zu den ersten beiden Fragen kann ich (noch) nichts sagen.

    Zur letzten Frage kann ich aus Erfahrung mit meinem Audi A3 e-tron sagen: Ich schalte je nach Fahrsituation um. Das ging dort auch ganz bequem durch Seitwärtsbewegung des Schaltknaufs. Bin gespannt, ob das mit dem Lenkrad-Hebel beim ID.3 genau so bequem sein wird.

    --

    Wir haben eine Verbesserung im Bereich des Nicht-mehr-Messbaren erzielt.

  • Also ich fahre in der Stadt in B , zum Rekuperieren und auf Landstraße und Autobahn in D zum „Segeln“. Das sollen die sinnvollen, also ökonomischen Fahrweisen sein!
    Heute habe ich festgestellt, dass beim Bergabfahren sogar mit leicht getretenem Strompedal (damit nicht zu stark abgebremst wird) der ID.3 rekuperiert. Mein kurzzeitiger Peak bei der Rekuperation war -85 kWh/100 km .

    Mein Peak beim Berghochfahren 99 kWh/100 km ( ich glaube aber mehr als 99 kann er gar nicht anzeigen)

    🤩 ID 3 first Pro Performance Plus 😍

    mit Bulli California für den Urlaub 😎 und als Reserve, falls die ID-Software spinnt! 🤕

  • Wie erfahren bist du denn in diesem Bereich?

    Das einzige E-Auto, welches ich bisher mal Testen konnte war eine A-Klasse mit Brennstoffzellenantrieb. Da hat Rekuperation keine Rolle gespielt.

    Ich arbeite als Softwareentwickler im Bereich Fahrzeugsimulation, bin also eher in der Theorie zuhause. Unsere Software wird unter anderem im Bereich Fahrdynamik zur Entwicklung/Absicherung von ABS und ESP Steuergeräten, aber auch für Verbrauchsoptimierung und zur Entwicklung von Fahrerassistenzsystemen und autonomes Fahren eingesetzt.


    Zurück zum Thema. Audi gibt für den allradgetriebenen e-tron an, dass dieser bis 0.3g Bremsverzögerung rekuperiert. Ein Verzögerung von 0.3g ist schon ganz ordentlich und deckt laut Audi auch rund 90% der Bremsvorgänge ab.

    Weiteres kann man hier nachlesen.

    Immerhin kann die Rekuperationsleistung bis zu 220kW betragen. Zum Vergleich, um ein 2500kg schweres Fahrzeug aus 100km/h mit 10m/s² auf 0 zu verzögern wird eine durchschnittliche Bremsleistung von ca 350kW benötigt. Bei einer Verzögerung von 10m/s² sind wir aber fast schon auf Porsche GT3 Niveau, gesetzlich vorgeschrieben sind nur 5m/s² Bremsverzögerung (§ 41 StVZO).

    Wie gesagt bin eher der Theoretiker. In der Praxis stellt sich dann schon die Frage, ob der Akku eine extrem dynamischer Fahrweise auf Dauer verträgt.


    Für den ID.3 habe ich leider keine Angaben zur Rekuperationsleistung gefunden.


    Zudem gibt es ja noch andere Probleme, zumeist ist ja nur ein E-Motor pro Achse verbaut, d.h. das Moment wird über ein Differential verteilt. Da wird die Rekuperation im Winter auf schneebedeckter Fahrbahn schon eine Herausforderung für die Bremsregelung.


    Gruß

    quas