Urlaubserlebnis an der Ladesäule
Moin Forum,
ich wollte kurz von unserem Urlaubserlebnis mit dem ID.4 und Wohnwagen in Spanien berichten. Nach 160.000km auf dem E-Golf und 110.000km mit dem ID.4 und 6 1/2 Jahren E-Mobilität war dies eine Erfahrung, die wir so bisher noch nicht gemacht hatten.
Der Ausbau der Ladeinfrastruktur in Nordspanien ist - naja sagen wir mal dürftig, viel 50kW-Lader aus denen dann 40kW tröpfeln. Aber nachdem wir für die Überquerung der Pyrenäen in Jaca noch schnell 10kWh nachladen wollten, hier aber alle DC-Lader ohne Funktion waren (mit jeweiliger App-Einrichtung von nicht ganz so verbreiteten Anbietern dauert das natürlich auch etwas, man hätte es sich natürlich sparen können, wenn das Display der Ladesäule dunkel ist), fuhren wir weiter in Richtung Norden, fanden einen kleinen Ladepark von Repsol und stellten uns mit angehängtem Wohnwagen wegen geringer Auslastung und nur wenigen kWh Nachladebedarf schnell quer vor 2-3 Säulen, man ist ja da und kann schnell wegfahren.
Mehrere Ladeversuche schlugen fehl, man versucht eine Ladung ja auch nicht stundenlang, wir entscheiden weiterzufahren. Zündung lässt sich einschalten, aber keine Fahrstufe einlegen. Kein Klack von freischaltenden Schützen. Aussteigen, schauen. Aber Einsteigen ist nicht mehr möglich, keine Tür lässt sich öffnen (Fenster waren auch gerade alle zu oder zumindest nur einen Spalt weit geöffnet). Nach längerem Suchen entdecke ich, dass zumindest die Heckklappe entriegelt und sich schwerfällig manuell hochziehen lässt. Ich kann meinen dicken Körper durch den Kofferraum zwängen und von innen die Türen öffnen. Weitere Tests zum Herstellen der Fahrbereitschaft verlaufen ergebnislos, ein Tannenbaum an Fehlermeldungen "Fehler Elektrosystem, Werkstatt aufsuchen".
Der Anruf beim ADAC ergibt, dass die Mitarbeiterin zwar super freundlich ist, aber in Spanien wohl samstags kein Abschleppdienst und noch weniger eine Werkstatt zu erreichen wäre.
Das ist natürlich blöd, da wir mit dem Wohnwagen den halben Ladepark blockieren. Also hängen wir den Wohnwagen ab, schieben ihn irgendwie manuell zwischen geparkten Fahrzeugen an die Seite und blockieren nur noch 2-3 Ladeäulen. Der ID bewegt sich keinen cm, natürlich auch nicht schiebender Weise.
Nach einiger Zeit des Überlegens bemerke ich, dass die Klimaanlage noch kühlt, also kann wohl nicht das gesamte HV-System tot sein. Ich denke mir: "Das Glück ist mit die Dummen" und habe die Idee, wenn hier kein Abschleppdienst kommen sollte, kann ich eigentlich nur versuchen, was sonst immer hilft: jeder boot tut gut, im Wohnwagen ist Werkzeug, also klemme ich den Minuspol der Batterie ab und warte ein paar Minuten und schließe ihn wieder an.
Zündung an, Fahrstufe, Schütze klacken, ein riesiger Tannenbaum an Fehlermeldungen, aber er rollt nach Druck auf das Strompedal. Ein paar Runden über den Parkplatz, Lenkung komplett links und rechts eingeschlagen. Zündung aus, Zündung an. Keine einzige Fehlermeldung mehr.
Uff, dann geht es weiter zur nächsten Ladesäule, 50kW. Der ID lädt mit 9kW. Scheiße. Ok, die Nachbarsäule wird gerade frei, hier gibt es noch 7kW (es ist eine 50kW-Station). Also hat entweder der ID oder die Ladestation ein Problem. Wir fahren weiter zur nächsten Ladesäule im nächsten Ort. Ich fahre vorbei, ein Ladepunkt ist frei, super. Aber ich muss den Anhänger woanders parken. Kein Problem... Ich komme zurück: jetzt ist der freie Ladepunkt besetzt. Naja vielleicht wird der erste Ladepunkt ja bald frei... Nö... der hat erst 40%. Und beim anderen Ladepunkt fängt das Ehepaar in einer halbstündigen Aktion an, sich über die Installation einer Ladeapp zu informieren. Meine höfliche Frage, ob ich vielleicht kurz 10 Minuten laden könne, bis sie ihre App eingerichtet haben, wird natürlich verneint.
Also fahren wir genervt weiter zur nächsten und letzten Lademöglichkeit vor der Grenze. Wir sind nicht allein, eine andere französische Familie ist maximal begeistert von spanischer Ladeinfrastruktur... Die Freischaltung der Ladepunkte ist nicht ganz so einfach, da eine eindeutige Kennzeichnung des Ladepunkts mit seiner Ladepunktnummer natürlich wie auf allen spanischen Ladesäulen fehlt, auch einen scanbaren QR-Code gibt es nicht. Also schaltet man versehentlich den gegenüberliegenden Ladepunkt frei. Ach nee doch nicht, der linke Ladepunkt ist ja defekt. Aber der rechte Ladepunkt funktioniert. Und der ID lädt mit normaler Geschwindigkeit. Die französische Familie muss leider warten, wir waren schließlich zuerst da ![]()
Auch an den folgenden Tage sehe ich wieder normale Ladegeschwindigkeiten bis zu 180kW. Keine einzige Fehlermeldung mehr... Und die Erkenntnis, wie gut die Ladeinfrastruktur in Frankreich ist...
Alles in allem hat mir dieser Tag ein paar graue Haare mehr beschert. Ich habe von jetzt an einen 10er-Maulschlüssel im Auto, wer weiß, wann ich ihn das nächste mal brauche.
Nächste Woche bekommt der ID noch einen neuen Sitzbezug, da dürfen sie gern mal die Fehler auslesen.
Wir wollten ja Abenteuer und ich habe mich beschwert, wie langweilig funktionierend die Ladeinfrastruktur in Europa wäre...
PS: der Abschleppdienst kam dann doch noch auf den Parkplatz gerollt, als der ID wieder einsatzfähig war...
PPS: der ganze Spaß hat einen gesamten Nachmittag gekostet